SINFONIE Nr. 1, großes Sinfonieorchester

(Vl 1/2, Vla, Vcl, Kb, Fl1/2 (Picc), Ob 1/2, Kl 1/2, Fg 1/2, Hr 1/2/3, Tp 1/2/3, Ps 1/2/3, Tb, Pk, Glsp/Vib., Sw, Hfe)

in 2 Sätzen

1. Schloß Possenhofen (nach einem Gemälde von Hans Hueber)  
2. nach Motiven aus der Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl
op. 20 (1992)
Die "Sinfonie Nr. 1" (Waizenkirchner Sinfonie)  wurde zur 400-Jahr-Feier der Markterhebung von Waizenkirchen (Oberösterreich) komponiert. Die Tonsprache ist (auf Wunsch des Auftraggebers) spätromantisch, teils impressionistisch mit vorsichtiger Einbindung einiger modernerer Elemente.
 
Der 1. Satz "Schloß Possenhofen" ist die Vertonung eines Ölgemäldes von Hans  Hueber, der 1813 in Waizenkirchen geboren wurde. Hueber besuchte die Münchner  Kunstakademie und war Mitglied des Münchner Kunstvereines. Er arbeitete häufig  als Zeichenlehrer in aristokratischen Häusern, so auch im Hause  des Herzogs Max  von Bayern, des Vaters der Kaiserin Elisabeth. Als Zeichenlehrer der bayrischen  Prinzessinnen lebte der Maler auf Schloß Possenhofen am  Starnbergersee, dem  Familiensitz des Herzogs, genau zu einer Zeit, als Kaiser  Franz Joseph sich mit  Sissi verlobte und sie ein Jahr später, im März 1854,  heiratete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Hueber wieder in Waizenkirchen,  wo er 1889 starb.
Das Gemälde "Possenhofen bei Nacht" entstand 1855. Im Bild ist das Schloß ganz an den linken Rand gerückt. In der Komposition werden die einzelnen Elemente dieses Gemäldes in musikalischen Motiven dargestellt und thematisch verarbeitet, wobei im Lauf der Komposition das "Schloß-Motiv" immer mehr in  den Vordergrund rückt - das Schloß wird für den Betrachter (Zuhörer) zum zentralen Punkt des Bildes -, bevor es am Ende des Satzes wieder an den ursprünglichen Platz im Bild zurückkehrt.
 
2. Satz: Drei Motive aus der Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl (Einleitungsmotiv, "Selig sind, die Verfolgung leiden", "Mathias, kannst du mir verzeih´n?"), der 1857 ebenfalls in Waizenkirchen geboren wurde, bilden das musikalische Grundmaterial für den zweiten Satz. Das Einleitungsmotiv wird auch hier in der Introduktion, aber auch im ersten großen Abschnitt des 2. Satzes  und auch anfangs des zweiten 
Abschnittes intoniert. Die Themen "Selig sind,  die Verfolgung leiden", und "Mathias, kannst du mir verzeih´n?" prägen den zweiten Abschnitt des Satzes.
 
Wilhelm Kienzl studierte Komposition in Wien und war neben seiner Tätigkeit als Komponist auch als Pianist und Kapellmeister in Amsterdam, Hamburg und München tätig. Nach dem großen Erfolg des "Evangelimann" konnte er sich ohne festen Posten in Graz niederlassen. 1917 übersiedelte er nach Wien, wo er 1941 starb.
 
Die Handlung der Oper "Der Evangelimann" basiert auf den Schilderungen eines authentischen Kriminalfalls: Die Brüder Mathias und Johannes Freudhofer rivalisieren um Martha, die Nichte des Klosterpflegers. Um seinen Kontrahenten auszuschalten, steckt Johannes das Kloster in Brand und lenkt den Verdacht geschickt auf seinen Bruder, der daraufhin für 20 Jahre ins Gefängnis muß. Nach seiner Entlassung zieht Mathias als Sänger frommer Lieder über Land. In Wien wird er ans Sterbebett seines Bruders gerufen: Er gibt sich ihm zu erkennen und verzeiht ihm.
Auftragswerk der Marktgemeinde Waizenkirchen zur 400-Jahr-Feier  der Markterhebung.
Uraufführung "Grieskirchner Kammerorchester", Dirigent: Helmut Trawöger