EL CAMINO DE SANTIAGO
1. Aufbruch zur Pilgerreise
2. Choral de Saint Jacques (St. Jakobs-Choral)
3. Espagña!
4. La Catedral de Santiago

mit MultiMedia-CD (Powerpoint-Praesentation zur Musik)

 

op. 84 (2006)

Mit einer fanfarenartigen Einleitung wird der entschlossene Wille des Pilgers angedeutet, die Pilgerreise – den weiten Weg nach Santiago de Compostela in Nordspanien – anzutreten. Gleich klingt aber auch Ungewissheit und Besorgnis an, denn nicht jeder Pilger ist den Anforderungen und Strapazen dieses Weges gewachsen und erreicht wirklich das Ziel. Der Entschluß ist aber endgültig und man freut sich ungeduldig auf die Reise. Endlich ist der Tag des Abmarsches da.

 

Durch die wilde Landschaft des Aubrac (französisches Zentralmassiv) mit seinen rauhen Witterungsverhältnissen, dann wieder leichten Schrittes durch schöne Flusstäler wie das Tal des Lot geht es in vielen Tagesetappen den Pyrenäen entgegen. Man riecht und fühlt die Natur, sie bestimmt den Tagesablauf, ja die ganze Reise ist nach ihr ausgerichtet, ein ganz neues Lebensgefühl beflügelt den Pilger. Er kommt durch viele Orte, deren Kirchen und Häuser vor 800 oder mehr Jahren entstanden sind. Manchmal peitscht ihm der kalte Regen ins Gesicht, dann wieder muss er der heißen Mittagssonne entfliehen, aber selbst dann wird er durch eindrucksvolle Landschaften, kulturelle Schätze und dem wundersamen Gefühl, „auf dem Weg zu sein“, mehr als entschädigt. Und er ist beileibe nicht alleine auf dem Weg, viele Wanderer haben die Jakobsmuschel an ihren Rucksack geheftet und alle sind sie auf dem selben Weg. So wagt der Pilger den anstrengenden Pfad über die Pyrenäen, er verbringt einige Zeit in den herausgeputzten Gassen von Pamplona, ist überwältigt von der Wucht der Kathedralen von Burgos und Leon und marschiert tagelang geradeaus durch die fruchtbare spanische Meseta. Er muss nochmals durch rauhe Gebirgslandschaft, kommt nun nach Galizien, und unaufhaltsam nähert er sich seinem Ziel. Das Gefühl, welches den Pilger nach so vielen Tagen des Wanderns beim Erreichen der Stadt Santiago und dann beim Betreten des „Plaza de Obradoiro“ vor der imposanten Kathedrale befällt, ist ein unbeschreibliches: Freude und Dankbarkeit, dass man es wirklich geschafft hat, und die Erinnerung an die vielen Erlebnisse auf dem Weg mischen sich zu einem unvergesslichen glücklichen Moment, den nur jener erleben kann, der diesen Weg, den Camino de Santiago,  wirklich gegangen ist.

 

Anmerkung: Alois Wimmer erlebte „seinen“ Jakobsweg von Le Puy (Frankreich) bis Santiago de Compostela (Spanien) per Mountainbike im Frühjahr 2006.

 

El Camino de Santiago

Was war eigentlich der Anlass für die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela, die aufgrund der unsicheren Landstraßen in früherer Zeit ein großes Abenteuer darstellten und, wie die heute noch vorhandenen Grabsteine bezeugen, kehrten ja doch manche von dieser Reise nicht nach Hause zurück. Auf der Suche nach dem geschichtlichen Hintergrund stoßen wir auf die Spuren von Jakobus dem Älteren, einem Jünger Jesu Christi, den sein Auftrag, das Christentum zu predigen, auch auf die Iberische Halbinsel führte. Sein Märtyrertod nach seiner Rückkehr nach Jerusalem ist bezeugt. Die Sage erzählt, dass der Leichnam von seinen Jüngern mit dem Schiff an den letzten Ort seines Wirkens, der römischen Siedlung „Iria Flavia“ an der atlantischen Küste Iberiens, gebracht und dort beigesetzt wurde. Das Grab geriet in Vergessenheit und erst zur Zeit Karls des Großen nach dessen Spanienfeldzug gegen die Mauren wurde es wiederentdeckt. Offen blieb bis heute, ob es sich bei den in dieser Grabstätte gefundenen Gebeinen wirklich um die Reliquien des Hl. Jakobus handelt. Doch daran zweifelten die Menschen des Mittelalters nicht – der Glaube gab denen Kraft, die auf seine Unterstützung bei der Vertreibung der Feinde Spaniens setzten. Mit dem Schlachtruf „Santiago!“ ging man nicht nur in den Kampf gegen die Mauren, sondern auch noch an die Eroberung Lateinamerikas. So kam es in den folgenden Jahrhunderten zu einer überzeugten Annahme der Jakobussage in der christlichen Welt und bereits Mitte des 12. Jh. war Compostela neben Jerusalem und Rom das herausragende Pilgerziel für Millionen Gläubige.

 

 

Ein Spruch aus früheren Tagen:

„... Mit übermäßiger Freude bewundert man die große Schar der Pilger, die beim ehrwürdigen Altar des Hl. Jakobus Nachtwache hält... Man hört dort die verschiedensten Sprachen...Gespräche und Lieder der Deutschen, Engländer, Griechen und der anderen Stämme und Völker auf dem gesamten Erdkreis... Wer traurig herkommt, zieht froh zurück... Alle Tage und Nächte gleichen einem ununterbrochenen Fest in steter Freude zur Ehre des Herrn und des Apostels. Die Türen dieser Basilika bleiben Tag und Nacht unverriegelt, und die Dunkelheit kehrt doch niemals ein, weil sie durch das helle Licht der Kerzen und Fackeln wie am Mittag leuchtet. Dorthin begeben sich Arme und Reiche, Räuber, Reiter, Fußgänger, Fürsten, Blinde, Gelähmte, Wohlhabende, Adlige, Herren, Vornehme, Bischöfe, Äbte, manche barfuß, manche mittellos, andere aus Gründen der Buße mit Eisen beladen...“

Pflichtstück der Konzertwertung des ÖBV 2007/2008 (Stufe D)


Partiturseite